„Regel ist Regel, egal in welcher Liga“

Schiedsrichter Jochen Trogisch

Jochen Trogisch leitet seit 42 Jahren Handballspiele

Baunatal – Wenn die Bezeichnung Urgestein auf jemanden passt, dann auf ihn. Aufgewachsen in Niederzwehren, ist er längst in Hertingshausen heimisch. Und seit der ersten Stunde bei der HSG Baunatal engagiert. „Von zu Hause aus dem Fenster kann ich sogar unsere Halle sehen“, merkt er an. Heute, als 66-Jähriger, ist Jochen Trogisch dem Handballklub weiterhin eng verbunden. Nicht nur, aber auch, als Schiedsrichter. Deswegen stellen wir ihn heute in unserer Serie „Unparteiisch“ vor.

Der frühere Außendienstler der Hütt-Brauerei und heutige Rentner spielte in Hertingshausen, Guntershausen und ab 1993 für die HSG. Und somit seit der Gründung der Spielgemeinschaft, deren erster Vorsitzender er war. Seit 42 Jahren engagiert sich Trogisch zudem als Schiedsrichter. „Damals kamen die Ansetzungen noch per Post“, erinnert er sich. Früher auch höherklassig unterwegs, leitet er nun Partien auf Bezirksebene. „Die schnelleren Klassen packe ich nicht mehr“, sagt er. Spaß an der Schiedsrichterei hat er nach wie vor, Akzeptanzprobleme nicht. „In den Klassen, wo ich pfeife, geht es ja nicht so professionell und ehrgeizig zu“, betont er und ergänzt: „Ich nehme das trotzdem ernst. Regel ist Regel, egal in welcher Liga.“ Zudem genießt Trogisch die Sympathien aus der Szene. „Ich kenne da seit Ewigkeiten Gott und die Welt. Aber ich bin im Spiel immer neutral, nachher gibts dann auch mal mit den Leuten ein Bierchen“, sagt er.

Üble Erfahrungen hat Trogisch, dessen Ehefrau Gabi ebenfalls bei der HSG verwurzelt ist, in den Hallen nie gemacht. Nur außerhalb: „Im Winter waren spätabendliche Heimfahrten bei Schnee und Eis, zum Beispiel von Medebach, sehr unangenehm.“ Den meisten Spaß bereitete ihm dieses Erlebnis: „Einmal durfte ich meine Enkeltochter Lena pfeifen. Das war ein Highlight.“ Zu familiären Zerwürfnissen führte es nicht. Woran er noch gern zurückdenkt? „Ich habe viel an der Weser rumgepfiffen. Da waren die Hallen voll und die Atmosphäre klasse. Vor vielen Zuschauern habe ich immer meine besten Leistungen gebracht.“

WOLFGANG BAUSCHER